Immer wieder einmal ziehe ich mich auf eine griechische Insel zurück, abseits von Geselligkeit, Gesprächen und Zerstreuung, offen für die Schönheit der Landschaft, das Meer und das unvergleichliche Licht. Dort finde ich die Ruhe und die Weite in mir, den inneren Stimmen zu lauschen, und so entstehen meine Märchen.
Es sind Märchen und märchenhafte Geschichten für Erwachsene und deren innere Kinder. Sie handeln von existenziellen Lebenssituationen und Gefühlen, wie Einsamkeit, Angst, Trauer, Liebe, Sehnsucht oder Mut. Vom Wachsen und Reifen, von Aufbruch und Neuorientierung. In ihnen verdichten sich Erfahrungen, die ich mit Menschen in meiner therapeutischen Arbeit gemacht habe. Meine Märchen sollen berühren und trösten, Sehnsucht entfachen, Mut machen, neue Wege zu wagen. Sie wollen Wegbegleiter sein.


Das Märchen von der traurigen Traurigkeit
Es war eine kleine alte Frau, die bei der zusammengekauerten Gestalt am Straßenrand stehen blieb. Das heißt, die Gestalt war eher körperlos, erinnerte an eine graue Flanelldecke mit menschlichen Konturen.
"Wer bist du?" fragte die kleine Frau neugierig und bückte sich ein wenig hinunter. Zwei lichtlose Augen blickten müde auf. "Ich ... ich bin die Traurigkeit", flüsterte eine Stimme so leise, dass die kleine Frau Mühe hatte, sie zu verstehen.
"Ach, die Traurigkeit", rief sie erfreut aus, fast als würde sie eine alte Bekannte begrüßen.
"Kennst du mich denn", fragte die Traurigkeit misstrauisch.
"Natürlich kenne ich dich", antwortete die alte Frau, "immer wieder einmal hast du mich ein Stück des Weges begleitet."
"Ja, aber ..." argwöhnte die Traurigkeit, "warum flüchtest du nicht vor mir, hast du denn keine Angst?"
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